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Wie ich Erna Blencke kennen gelernt habe

Zoe Waibel hat bei uns ein Schulpraktikum absolviert. In diesem Rahmen hat sie sich auch mit Erna Blencke, der ersten Schulleiterin der Heimvolkshochschule nach dem Zweiten Weltkrieg, Sozialistin und Widerstandskämpferin, beschäftigt. So hat sie mit Dieter Krohn, einem Kollegen und Weggefährten Ernas ein Interview geführt.

Wir haben Zoe gefragt, was sie mitgenommen hat. Das ist ihr Bericht:

 

Wie ich Erna Blencke kennen gelernt habe

Dieter Krohn hat mir viel über Erna Blencke erzählt, da Dieter Krohn Erna Blencke noch persönlich kannte. Ich fand das Gespräch sehr interessant. 

Erna Blencke ist am 25.07.1896 geboren und am 21.06.1991 gestorben. Sie wurde im Jahr 1954 Leiterin der Heimvolkshochschule Springe. Heute ist auf dem Gelände ein Haus nach ihr benannt, weil sie die erste Leiterin der HVHS nach dem 2. Weltkrieg war.

Erna hat sehr viel getan, was nicht ganz ungefährlich war. Sie hat im Widerstand gegen die Nazis gearbeitet. Dafür hatte sie einen Brothandel und zwei Schneidereien als Tarnung aufgemacht, so dass sie für den Widerstand arbeiten konnten. Sie haben z.B. Flugblätter verteilt.

Erna hatte auch ein Dreirad als Auto, womit sie ihr Brot in andere Geschäfte geliefert hat, wo es weiterverkauft wurde. Unter den Brötchen waren die Flugblätter versteckt. Einmal ist Erna zu schnell um die Kurve gefahren und ihre Brötchen sind von der Ladefläche gerutscht. Zum Glück ist ihr nichts geschehen.

Der Gefahr, durch die Nazis gefangen zu werden, ist Erna durch Klugheit entgangen. Ihr Brotladen war direkt gegenüber vom Hauptbahnhof Hannover. Wenn man mit dem Zug angekommen ist, konnte man ins Fenster sehen. Im Fenster stand eine Blume. Wenn sie an einem anderen Platz gestellt wurde, dann hieß das: Gefahr. An einem Tag, als Erna Brötchen ausgeliefert hat und zurückkam, sah sie, dass die Blume im Gefahrenbereich stand. Erna wusste sofort, dass sie verschwinden musste. Sie ging nicht mehr in ihre Wohnung, sondern flüchtete und fand Zuflucht in einem Flüchtlingsheim.

Am Ende des Krieges war Erna nicht mehr in Deutschland, sondern in den USA, weil sie gegen Hitler gearbeitet hatte, aber Erna hatte natürlich noch Freunde in Hannover. Und ihre Freunde brauchten Unterstützung, um die Jugendlichen, die für Hitler gewesen waren, etwas Demokratie zu lehren. Dafür brauchten sie Ernas Hilfe. Und so hatten sie die Idee, Erna wieder zurück zu holen. Darauf schrieben sie Erna: „Hallo Erna, wir brauchen dich hier.“ Aber Erna hatte sich schon überlegt in Amerika zu bleiben und hatte auch schon die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt. Also überlegte Erna, was sie jetzt machen sollte, aber sie hat sich dazu entschlossen, zurück zu gehen.

Mir wurde noch eine Sache von früher erzählt: Die Nazis hatten das Gelände der HVHS eingenommen. Auf dem Gelände stand ein Apfelbaum. Zwei Jungs sind auf das Gelände geschlichen und haben sich einen Apfel genommen. Aber auf dem Nachhauseweg haben sie sich gefragt, ob man das als echten Diebstahl bezeichnen kann, wenn man Dieben etwas stiehlt? Erna Blencke hätte bestimmt gesagt, dass das kein Diebstahl war.

Erna half und hörte anderen Menschen zu. Sie wollte ihnen zeigen: Ihr seid mir wichtig. Erna hatte auch ein sehr starkes Durchsetzungsvermögen. Wenn sie etwas wollte, setzte sie es freundlich und nett durch. Das beeindruckt mich sehr.

 

Wir danken Zoe Waibel herzlich für ihren Bericht und ihr Praktikum bei uns! Alles Gute!


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